Freitag, 6. Mai 2011

Buchreview "Der Käfig"

Richard Laymon. Vor langer Zeit war sie Herrscherin. Jetzt ist sie nur noch eine vertrocknete Mumie. Bis die Siegel zerbrochen werden, die sie in ihrem Sarkophag gefangen halten. Die Untote macht sich auf einen blutigen Rachefeldzug durch das heutige L.A., in dem zu allem Überfluss auch noch einige andere finstere Gestalten ihr Unwesen treiben.
Die Mumie Amara wird von Einbrechern im Hause des Sammlers Callahan aus ihrem versiegelten Sarg befreit und tötet diese sowie auch den Hausherrrn. Nur sein Ziehsohn Imad kann entkommen, der denn auch sein gesamtes Vermögen erbt. Um die Spuren der Mumie zu verwischen, deren Existenz ihm eh keiner geglaubt hätte, arrangiert er die Wachhunde, die mit einer 22-er Kugel getötet wurden, um ihren Herren und lässt es so aussehen, als hätten die Köter ihn angekaut. Die Mumie ist indes wieder in ihren Sarg gekrabbelt und hält ein Verdauungsnickerchen. Die gesamte Sammlung wird an das Museum übergeben und dort macht sich Amara gleich mal an die Wärter ran. Ungewürzt und ohne Beilagen beißt sie sich durch drei davon durch und haut ab, um sihc im nächtlichen L.A. ihren ganz eigenen Vergnügungen hinzugeben. Mit dem Fall der Wärter wird der Polizist Tag beauftragt, der zusammen mit der Museumsangestellten Susan die Sache (und nicht nur die, wir sind ja bei Laymon) angeht und der Spur der Mumie folgt. In der Zwischenzeit finden sich einige Zeitgenossen in einem Keller in Käfigen gefangen und werden dort in völliger Dunkelheit von Unbekannten für perverse Spielchen missbaucht. Wer nicht spurt, wird erledigt. Damit das Chaos perfekt wird, machen sich auch noch drei Ausreißer auf den gefahrvollen Weg nach L.A., erleben das eine oder andere unerwünschte Abenteuer und werden dann zusammen mit den schon genannten Protagonisten in einen blutigen Showdown verwickelt, den nicht alle überleben.
Richard Laymon hat seinen letzten Drops ja schon gelutscht und nach seinen vorhergehenden schriftstellerischen Ergüssen vermutete ich, dass dies auch für seine Bücher gelten würde, die immer langweiliger gestaltet waren. Doch "Der Käfig" bietet durchaus alles, was der Fan von einem Laymon so erwartet. Die Story wird nicht durch den geringsten Hauch von Anspruch verwässert, der Geist nicht gefordert (dachte man sich wohl auch beim Lektorat, denn die Verwechslungen von seid und seit sind hier äußerst auffällig), dafür aber mit Sex und Gewalt in fast altgewohnter Manier gewürzt und aufgepeppt. Klar, ist das Ganze auf P. Hilton-Niveau weit weg vom Vorwurf jeglicher Intelligenz, aber es unterhält. Nachteil ist vielleicht, dass es in der Heyne Hard Core-Reihe eher nix verloren hat, dazu ist es doch zu "normal". Da haben in letzter Zeit Krimiautoren wie Ken Bruen oder Don Winslow in Sachen Brutalität und Sex deutlich mehr angeboten. Davon abgesehen aber ist in dem Buch immer was los. Verschiedene Handlungsstränge mit entsprechend vielen Protagonisten (hier muss man schon mal etwas aufpassen wegen den vielen Figuren) sorgen dafür, dass es nie zäh wird. Natürlich trägt dazu auch der formidabel-schlichte Schreibstil des Autors bei. Der Ausreißerstang ist irgendwie unnötig, kommt am Ende wie zwangseingeflochten daher, während die Mumie nach altbekanntem Muster durch L.A. stakst und die Sache mit den Käfigen ist pervers-psychologischer Laymon pur. Recht flottes Tempo, kaum Längen in der Story. So darf es mit Laymon gerne weitergehen. Nach den letzten Enttäuschungen bin ich zufrieden. Ach ja, ein Vorwort von Dean Koontz gibt es auch noch zu bewundern.

4 Kommentare:

Psychorabbit84 hat gesagt…

Hallo Harry,

erstmal Danke für deine Buchbesprechungen. Leider war mit den letzten Büchern von Laymon wirklich nicht viel anzufangen. Wenn ich nur an DER PFAHL denke ganz schlimm, zog sich wie Kaugummi. Aber nach deiner Interpretation freu ich mich schon das Buch zu lesen, steht schon im Schrank ;)

Harry hat gesagt…

Hi,
tja, so einige der letzten Laymon haben sich schwer gedehnt (höflich gesagt), das war hier nicht so. Mal abgesehen von der einen oder anderen überflüssigen Figur und dem Anhängsel mit den Ausreißern, ist er ganz ordentlich geworden. Hinzufügen mussich, dass die Käfig-Nummer ein klein bisserl an den Schluss von "Die Insel" erinnert, aber das Buch insgesamt in Sachen Gewaltund Sex etwas "entschärft" wirkt.
Und ein großes DANKE für das Lob.
Gruß und sonnige Tage
Harry

Boo! hat gesagt…

Mal wieder sind wir einer Meinung, lieber Harry. Ich hab das Teils schon vor einiger Zeit gelesen und darauf gewartet, was Du dazu meinen würdest. Ich fand "Der Käfig" war mal wieder unterhaltsam und las sich ziemlich zackig weg. Es waren schon ein paar nette Ideen dabei, die mich doch ein wenig amüsiert haben :-).
Wieviele Bücher hat denn der liebe Herr Laymon eigentlich zu seinen Lebzeiten noch fabriziert - man könnte meinen, sehr viel mehr könne da eigentlich gar nicht mehr kommen . . . Oder gibt es (ähnlich wie bei Michael Jackson) ein scheinbar schier unerschöpfliches Kontingent an bisher unveröffentlichten Werken, welche jedoch eventuell gar nicht mehr so ganz aus der Feder des jeweiligen Hauptprotagonisten stammen ;-)?

Harry hat gesagt…

In Deutschland haben wir noch viiiiiiiieeeel zu erwarten. Er war ein Fließbandschreiber.
Mehr demnächst.
Im Herbst kommt ja passend "Der Wald" und im April "Der Gast".
Gruß
Harry