Donnerstag, 20. August 2009

Buchreview "Subterra"

James Rollins. Eine fünf Millionen Jahre alte Statue aus makellosem Diamant - nicht nur der Wert dieses Objekts ist eine Sensation, sondern auch ihr Fundort: eine weit verzweigte Höhlenlandschaft unter dem Eis der Antarktis. Ein Team von Spezialisten aus der ganzen Welt wirdmit dem geheimen Forschungsprojekt beauftragt. Für die toughe Archäologin und Anthropologin Ashley Carter, Leiterin der Expedition, lauten die entscheidenden Fragen: Woher stammt die Figur? Liegen hier - und nicht in Afrika - die Wurzeln der menschlichen Zivilisation? Doch scheinbar geht es ihren Auftraggebern nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnisse. Und was Ashley und ihr Vertrauter, der australische Höhlenexperte Ben, auch nicht wissen: Ihr Team ist nicht das erste, das in diese faszinierende Welt vordringt. Die Forscher, auf deren Spuren sie sich bewegen, kehrten nie zurück. Ein Buch für Liebhaber anspruchsvoller Literatur....................ist dies hier nicht. Glücklicherweise. Ich selbst konnte mich wochenlang nicht davon überzeugen, dieses Werk zu erwerben, da ich dahinter eher einen trockenen Wissenschaftsroman mit Thrillerelementen vermutete, der sich durch langatmige Erläuterungen dehnen würde wie alter Kaugummi, zumal mir auch der Autor gänzlich unbekannt war (kein Wunder, ist schließlich sein Erstling aus dem Jahr 1999, in Deutschland 2002 erschienen), doch nach ca. einem halben Jahr gegen Ende 2002 hatte ich mich dann doch selbst überredet, das Risiko einzugehen und etwas für die Mehrwertsteuereinnahmen des Bundes zu tun, damit er auch künftig seine Beamten angemessen (hüstel) honorieren kann, doch nichtsdestotrotz war meine Erwartungshaltung ziemlich gering. Auf jeden Fall bedient James Rollins zu Beginn seiner Schriftstellerkarriere die üblichen Klischees - sich also der Autorenmasse anpassend - des sympathischen Helden von nebenan, der toughen Mitstreiterin inklusive mutigem und unheimlich schlauen Balg, des bösen Verräters und der muckiestarrenden Marines, die kaum nen vollständigen Satz von sich geben können (als hätten sie ein deutsches Faltblatt mit 4-Buchstaben-Titel verinnerlicht). Schon nach 30 Seiten ist klar, dass Ken und Barbie zusammen mit ihrem Mini-Ken ein Happy End erleben (Helden müssen schließlich bei Laune gehalten werden), Verräter und Egomanen sind auch schnell identifiziert. Doch nach der Einleitung mit der Teamzusammenstellung und Prioritätenliste findet sich der Leser in einem Mix aus "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", einer kleinen Prise "The Descent" (der Film, der erst einige Jahre später erschien) und "Jurassic Park" wieder, wobei manch älteres Semester oder auch junger B-Movie-Fan sich möglicherweise an "Der 6. Kontinent" mit Doug McClure erinnert fühlt. Und auf geht es in die antarktische Unterwelt, nicht vorbereitet auf all die netten kleinen und größeren Überraschungen, die der Autor hier für seine Helden breit hält. Das wären dann Begegnungen mit bisher tot geglaubten Urviechern, die ihnen ans Leder bzw. Fleisch wollen, dazu die Widrigkeiten der Höhlenwelt mit Dunkelheit, Schluchten, niedrigen Kriechgängen und unterirdischen, reißenden Flüssen, in denen auch so die eine oder andere nicht für möglich gehaltene Gefahr lauert. Mit der Zeit nimmt auch die Action ordentlich an Fahrt auf und während die Forscher gegen Urungetüme um ihr Leben kämpfen, wird das Basislager mit mehreren Zügen Marines, die eigentlich zum Schutz eben desselben eingeteilt waren, von einer unbekannten Spezies auf brutalste Art und Weise dem Erdboden gleich gemacht. Selbst 3 Kilometer unter der Erdoberfläche braucht man halt sein täglich Fresschen. Die Überlebenden begegnen während ihrer unterirdischen Flucht und Suche nach einem Ausweg einem Höhlenvolk, wobei irgendwie auch Erinnerungen an alte Tarzanfilme wach werden, wenn sich die beiden Parteien gegenüberstehen und misstrauisch beäugen. Dazu noch ein bisschen Aboriginiemystik und fertig ist der Mix. Alles irgendwo schon mal gesehen oder gelesen, aber perfekt zusammengefügt zu einem Abenteueractionroman der oberen Mainstreamklasse. Gefällt auch deshalb, weil geschickt platzierte Cliffhanger zum Weiterlesen animieren und die Spannung aufrecht erhalten wird. Man nehme Michael Crichton, das Autorenduo Preston/Child oder Jeff Long ("Im Abgrund"), füge dem Ganzen eine ordentliche Prise Matthew Reilly hinzu, gönne den Protagonisten (im Gegensatz zu Reilly's Turbooutputs) hin und wieder eine Ruhephase und man hat einen absolut überzeugenden Unterhaltungsroman, der zwar höheren literarischen Ansprüchen nicht genügen kann (wollte ich ja auch nicht lesen), aber wirklich mitreißt. Hat mir so gut gefallen, dass ich seitdem jeden neuen Roman von Rollins kaufe (auch die Auftragsarbeit zu "Indiana Jones IV"). Nicht wirklich innovativ, aber äußerst unterhaltsam.Auf jeden Fall ein Tipp. Is' was, (Für'n) Doc. Den Makel hinsichtlich der recht aufdringlichen Sabberei schon von Beginn des Romans an zwischen den Ken und Barbie Charkteren kann man vernachlässigen, aber besser aufgehoben wären so penetrante Schnulzen eher in einem Hedwig Courts-Mahler-Heft, gelle Shane.

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